Unternehmen Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.06.2005, Nr. 128, S. 16


Der Gebrauchtsoftwarehändler
Peter Schneider, der Gründer des Unternehmens Usedsoft, zeigt Mut gegen die großen Softwarekonzerne
 
Peter Schneider handelt mit gebrauchten Softwarelizenzen. Geht das? "Das habe ich mich anfangs auch gefragt", räumt Schneider ein, der Geschäftsführer und Gründer der Münchener Usedsoft GmbH, die sich auf den Ankauf und Weiterverkauf gebrauchter Softwarelizenzen in großer Zahl spezialisiert hat. Denn zunächst stellt sich in der Tat die Frage, ob ein solcher Handel überhaupt mit den Lizenzbedingungen der Softwarekonzerne, die die Programme herstellen und verkaufen, in Einklang gebracht werden kann. Schneider räumt ein, daß anfangs ein gewisser Mut dazugehört habe, mit den durchaus vorhandenen Drohungen der Hersteller umzugehen. Er ist aber überzeugt: "Der Handel mit gebrauchten, standardisierten Softwarelizenzen ist ebenso Rechtens wie der mit Hardware oder mit Gebrauchtwagen."

Das belege auch ein Urteil des Bundesgerichtshofs aus dem Sommer 2000 zum sogenannten Erschöpfungsgrundsatz. Darin heißt es, daß das Urheberrecht eines Softwareherstellers sich in dem Moment "erschöpft" habe, in dem die Software erstmalig "in den Verkehr gebracht", also verkauft wird. Die einzige Voraussetzung für den Weiterverkauf sei also, daß die Software einmal gekauft worden sein müsse. "Um unseren Kunden zusätzliche Sicherheit zu geben, liefern wir zudem ein Notartestat mit", sagt Schneider. "Und wenn es wirklich Probleme gäbe, dann hätten uns die Hersteller schon torpediert." Grundsätzlich sei es ohnehin eher so, daß die Hersteller sich mit Usedsoft nicht groß beschäftigten, wohl aber Softwarehändler - doch auch darauf reagiert Schneider gelassen. Im Einkauf erwirbt Schneider die Softwarelizenzen zum Beispiel von Unternehmen, die ihren Bedarf überschätzt haben und nun Lizenz-Überkapazitäten mit sich herumschleppen, oder auch von Firmen, die von einer Softwareversion auf eine andere umstellen, das "alte" Programm aber noch zu Geld machen wollen.

Der spätere Käufer hat nach den Worten von Schneider die Möglichkeit, mit den gebrauchten Lizenzen gegenüber dem Originalpreis 20 bis 50 Prozent zu sparen. "Meine Kunden sind typische deutsche Mittelständler mit 300 bis 3000 Arbeitsplätzen", sagt Schneider. Auf der Referenzliste finden sich vor allem Handelsunternehmen wie Peter Hahn, die Dohle Handelsgruppe oder die Markant AG und Edeka, die ihrerseits großes Verständnis für die Geschäftsidee des Händlers Schneider aufbrachten. "Die großen Unternehmen interessieren sich nicht für uns, höchstens als Käufer ihrer überflüssigen Lizenzen." Die typischen Kunden setzten das Programm, für das sie bei Usedsoft weitere Lizenzen erwerben, in der Regel schon ein und wollten nun die Zahl der Computer, auf denen das Programm genutzt werde, steigern. Um die spätere Wartung oder Produktpflege kümmert sich Usedsoft nicht. Auf das Geschäftsmodell ist der heute 50 Jahre alte, in Witten an der Ruhr geborene Schneider als Geschäftsführer eines Software-Vertriebsunternehmens, der System Performance GmbH, gestoßen.

"Ende 1999 machte der IT-Manager eines Kunden den Vorschlag, mir 70 Lizenzen einer Software zurückzuverkaufen, die er zwei Jahre zuvor bei mir erworben hatte. Er wollte damit Geld für die zuvor Sparmaßnahmen zum Opfer gefallene Weihnachtsfeier seines Unternehmens auftreiben. Bevor ich mich darüber aufregen konnte, hatte er auch schon eine Lösung des Problems parat. Er habe nämlich einen Kollegen in Berlin, der 100 Lizenzen dieser Software benötige. Ich müsse somit lediglich 30 weitere Lizenzen hinzufügen." Das Geschäft funktionierte, wurde rechtlich überprüft - und Ende 2003 beschloß Schneider, sich mit diesem Modell und dem Unternehmen Usedsoft selbständig zu machen. Die Zahl der Wettbewerber sei überschaubar. "Es tummeln sich ein halbes Dutzend Unternehmen in diesem Markt", sagt Schneider. Der Markt selbst sei aber groß genug, daß man sich nicht gegenseitig ins Gehege komme. Die wesentliche Einstiegsbarriere sei die finanzielle Kraft, die Lizenzen zu kaufen und zwischenzulagern. "Deshalb arbeiten die meisten Wettbewerber auch ausschließlich auf Vermittlungsbasis."

Vor den Bestrebungen der Softwarekonzerne, den Kunden künftig lieber sogenannte Softwareabonnements statt vollständiger - wiederverkäuflicher - Einzelplatzlizenzen zu verkaufen, hat Schneider keine Angst. "Dieses Modell hat bisher noch keinen großen Erfolg."

CARSTEN KNOP
 
 
Alle Rechte vorbehalten. (c) F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
 
Zur Verfügung gestellt von:
F.A.Z.-Archiv